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Spielplatz als sozialer und gesundheitlicher Rückzugsort: Warum die Schweiz die Bedeutung von Spielplätzen neu bewertet

Spielplätze sind mehr als nur Orte zum Toben – sie sind lebenswichtige Infrastrukturprojekte, die in den letzten Jahren zunehmend als Schlüssel zu sozialer Gerechtigkeit und gesundheitlicher Prävention wahrgenommen werden. Besonders in urbanen Räumen, wo Freiraum oft knapp ist, wirken sie wie unsichtbare, aber hochwirksame Sozialarbeiter. Die Schweiz zeigt dabei eine besonders innovative Vorgehensweise: Seit Jahren fördert das Land Spielplätze gezielt mit öffentlichen Mitteln und integriert sie in nachhaltige Stadtplanung, wie am Beispiel der Stadt Zürich deutlich wird.

Laut einer Studie des Bundesamts für Raum- und Umwelt (ARE) aus dem Jahr 2022 besuchen jährlich rund 80 Prozent der Kinder unter sechs Jahren einen Spielplatz – ein Wert, der im internationalen Vergleich als besonders hoch gilt. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen ländlichen und städtischen Regionen: Während in ländlichen Gemeinden oft nur ein Spielplatz pro 10.000 Einwohner existiert, liegt die Dichte in Grossstädten wie Genf oder Basel bei über 20 pro 10.000. Diese Disparitäten spiegeln sich auch in den gesundheitlichen Folgen wider: Kinder aus einkommensschwachen Familien nutzen Spielplätze seltener als ihre wohlhabenden Altersgenossen, was zu einer Zunahme von Bewegungsmangel und Übergewicht in diesen Gruppen führt.

Ein zentrales Projekt, das diese Dynamik vorantreibt, ist das Schweizer Programm «Spielplatz 2030», das vom Bundesamt für Sport (BASPO) initiiert wurde. Ziel ist es, bis 2030 die Anzahl an Spielplätzen in allen Kantonen auf mindestens 15 pro 10.000 Einwohner auszubauen. Besonders erfolgreich ist dabei die Integration von Spielplätzen in grüne Infrastruktur: In der Stadt Bern wurden beispielsweise 30 Prozent der neuen Spielplätze als «Biodiversitäts-Spielplätze» konzipiert, die heimische Pflanzen und Tiere einbeziehen. Dies führt nicht nur zu einer Steigerung der ökologischen Resilienz, sondern auch zu einer erhöhten Attraktivität für Familien, die Wert auf Nachhaltigkeit legen.

Ein konkretes Beispiel, das die Wirkung von gut gestalteten Spielplätzen zeigt, ist der «Spielplatz am See» in der Gemeinde Meilen bei Zürich. Hier wurde ein ehemaliger Industrieareal in einen multifunktionalen Freiraum verwandelt, der neben klassischen Spielgeräten auch ein Wasserbecken, eine Kletterwand aus Holz und ein Picknickbereich für Gruppen bietet. Seit der Eröffnung 2019 nutzen täglich rund 150 Kinder den Platz, und die Nutzung ist besonders bei Familien mit Migrationshintergrund hoch – ein Indiz dafür, dass Spielplätze als kulturelle und soziale Brücken fungieren können.

Doch die Herausforderungen bleiben groß: Die Finanzierung bleibt ein zentrales Hindernis. Während einige Kantone wie Zürich mit öffentlichen Mitteln von rund 500.000 Franken pro Jahr für Spielplatzprojekte auskommen, müssen andere Gemeinden auf private Sponsoring oder Spenden angewiesen sein. Zudem gibt es Bedenken, dass die steigende Urbanisierung und die damit verbundene Verdichtung von Grundflächen Spielplätze immer kleiner und weniger attraktiv machen. Eine Lösung könnte die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerksbetrieben sein, die durch partizipative Gestaltungsprozesse die Akzeptanz für Spielplätze erhöhen und gleichzeitig lokale Arbeitsplätze schaffen.

Die Schweizer Praxis zeigt, dass Spielplätze nicht nur als reine Freizeitangebote, sondern als aktive Bausteine für eine gesunde und inklusive Gesellschaft fungieren können. Sie verbinden ökologische, soziale und gesundheitliche Aspekte und bieten damit eine vielversprechende Antwort auf die Herausforderungen der modernen Stadtentwicklung. www.play-fina.ch bietet eine Übersicht über aktuelle Projekte und Initiativen, die diese Vision in die Praxis umsetzen.

  • Laut ARE besuchen jährlich rund 80 Prozent der Kinder unter sechs Jahren einen Spielplatz.
  • In Grossstädten wie Genf oder Basel gibt es durchschnittlich 20 Spielplätze pro 10.000 Einwohner.
  • Das Programm «Spielplatz 2030» soll bis 2030 die Spielplatzdichte auf mindestens 15 pro 10.000 Einwohner ausbauen.
  • In Bern wurden 30 Prozent der neuen Spielplätze als «Biodiversitäts-Spielplätze» mit heimischen Pflanzen gestaltet.
  • Der Spielplatz am See in Meilen nutzt täglich rund 150 Kinder und ist besonders bei Familien mit Migrationshintergrund beliebt.